TALTANIS
Eine wahrhaft nutzbringende Schilderung über die neuentdeckten Lande des geheimnisollen Erdteils Taltanis
verfaßt zur Belehrung und Warung der Reisenden - nicht minder erstaunlich als kurzweilig zu lesen
und jetzt zum ersten Male aufs Sorgfältigste herausgegeben.


TALTANIS
IST ÜBERALL

Die Insel schwebte geräuschlos im Nichts. Es war keine sehr große Insel. Aber schließlich war das Nichts, in dem sie schwebte, auch kein besonders bedeutendes oder umfassendes Nichts. Eher war es ein unauffällig waberndes bißchen Un-Sein, das in irgendeinem Winkel des Universums von der Schöpfung vergessen worden war. Und wenn man es genau betrachtete, schwebte die Insel auch keineswegs lautlos und majestätisch durch die graue Leere. Vielmehr dümpelte das Eiland ächzend wie ein treibendes Schiffswrack durch eine imaginäre farblose See, in deren eingebildeten Fluten man ab und an, quasi aus den Augenwinkeln heraus und nur wenn man nicht ganz genau hinsah, einen Schock unwirklicher neunbändiger Fantasy-Triogien, einige nicht-realexistierende Colaflaschen und eine Handvoll eingebildeter Tüten elfischer Kartoffelchips als Treibgut zu erkennen vermeinte. Als Fran von einer ebenso gewaltigen wie irrealen Woge an die Küste dieser merkwürdigen Insel gespült wurde, klangen ihm noch immer die letzten Worte des Schicksals in den Ohren: »Typisch Corer - selbst zum Ertrinken zu dämlich!«

Eine ganze Weile lang lag der gestrandete Abenteurer einfach nur mit rasseldem Atem und vor Erschöpfung hämmerndem Herzen auf dem Rücken und versuchte, Ordnung in seine Erinnerungen zu bringen. Irgendwie mußte das Schiff, auf dem er und seine Kameraden angemustert hatten, in den tückischen Strömungen des Meers der Träume auseinandergebrochen sein. Fran fühlte ein tiefes Bedauern. Schließlich war das Versprechen des Kapitäns über ein Land voller Gold fern im Westen mehr als nur verlockend gewesen. Und Fran, der wie die meisten seiner Landsleute 100% seiner geistlichen Kapazität ungenutzt ließ, wenn es um Ruhm und Schätze ging, war selbst dann noch unverdrossen in den Sonnenuntergang gekrault, als seine ehemaligen Gefährten schon längst versuchten, in einem lecken Rettungsboot die taltanische Küste zu erreichen. Außerdem hatte er seinen Prüfwurf auf Intelligenz verpatzt. Und nun war er also hier gelandet. Aber wo war »hier«? Einen Augenblick lang erwog der junge Corer die Möglichkeitz, tot zu sein, verwarf den Gedanken jedoch nach kurzer Überlegung wieder. Die Priester, die er gekannt hatte, pflegten das Paradies stets als herrlicher und orgiastischer zu schildern, asl es dieser Strand am Rande des Nichts verdient hätte. Natürlich wäre es möglich gewesen, daß die Last des Zölibats die realistischen Erwartungen des Klerus bezüglich des Jenseits ein wenig verzerrt hatte. Doch als jemand, der auf des Wort eines alten Kapitäns hin in den Sonnenuntergang schwamm, war Fran nicht der Mann, der die Autorität eines Priesters in Frage stellte.
Während der Corer noch so dalag und sich der für ihn so untypischen Handlung des Grübelns hingab, näherte sich ihm eine Gruppe humanoider Gestalten. Normalerweise wäre es selbst einem Tharz kaum gelungen, sich unbemerkt an Fran heranzuschleichen, doch dieses Mal übertönte das lautlose Schweben der Insel im Nichts jedes Geräusch des Annäherung. Als der Anführer der Gruppe, ein Binnenländer in der verhaßten Uniform der VI. Anastrinischen Legion, sich schließlich bemerkbar machte, war Fran deshalb vollkommen überrascht. Instinkitiv sprang er auf die Füße, griff zu seinem Breitschwert und bereitete sich auf das Schlimmste vor. Doch der anastrinische Soldat machte keine Anstalten, Fran anzugreifen. Und der Rest des aus einem Dutzend unterschiedlicher Kulturen zusammengewürfelten Haufen hatte verdammt wenig Ähnlichkeit mit einer kaiserlichen Kohorte ... Über das Gesicht des Anastrinen huschte ein zynisches Lächeln, als er Frans Unsicherheit bemerkte.
»Ave, Schwachkopf!« begrüßte er den Corer mit der typischen Überheblichkeit, mit der die meisten Bürger des Imperiums die etwas hinterwäldlerischen Bewohner jener unbeugsamen kleinen ostcorischen Dörfer noch immer betrachteten. »Laß Dein Schwert ruhig stecken. Wir sind Freunde, alles Freunde. Willkommen auf der Insel der Vergessenen Helden.«

Während er der Gruppe zu dem Ort folgte, den der Miles Themistathes als »unser bescheidenes Heim im Nichts« bezeichnet hatte, musterte Fran verstohlen den Rest seiner Begleiter. Es war ein wahrhaft verwegener Haufen. Abenteurer waren sie alls, doch stammten die meisten von ihnen aus Ländern, die der junge Corer nicht einmal vom Hörensagen kannte. Einige der Männer konnte Fran allerdings zuordnen. Themistathes war ein Soldat des Anastrinischen Reiches, jener Großmacht, die vor eineinhalb Jahrhunderten einfach einen Teil seines eigenen Heimatlandes Corlu annektiert hatte. Und der fette Straßenhändler, der sich selbst hier im Nichts nicht von seinem Bauchladen hatte trennen können, stammte unzweifelhaft aus Epeiron, dem Land der Krämer und Kaufleute.
Thermistathes blieben Frans heimliche Blicke nicht verborgen. »Eine gediegende Mischung, nicht wahr?« wandte er sich an Corer, der eigentlich sein Erzfeind hätte sein müssen. »Der Kerl da drüben auf dem gehörnten Pferd ist Balu-bei. Er ist ein waschechter Reiternomade, ein Urgasch von den großen Steppen der Bugrash-Köl. In der Welt, aus der wir kamen, wäre er eine der wenigen Gemeinsamkeiten gewesen, die du und ich hätten haben können: ein gemeinsamer Gegner. Aber hier ... Wußtest du übrigens, daß die widderhörnigen Pferde der Urgasch Mandelaugen haben? Oder daß ein verheirateter Krieger bei ihnen nicht vom Pferd steigen darf, ohne daß eine Frau ihm zuvor einen Teppich ausbreitet? Armer Balu-bei - seit 2 Jahren ununterbrochen im Sattel ...«
»Siehst du den Paladin mit dem Drachenhelm, dessen Füße den Boden nicht erreichen und der aussieht, als würde er schwimmen? Das ist Sethes, seines Zeichen ommeischer Drachenkämpfer, der sich dem heiligen Krieg gegen die »Heiden« in den Befestigeten Landen angeschlossen hatte. Während einer Schlacht, in dem sein Schicksal wohl ein wenig den Überblick verloren hatte, stürtze er just in dem Moment von seinem Flugdrachen, als ein befreundeter Kleriker gerade einen »Permanenten Heilzauber« auf ihn anwendete. Seit dieser Zeit befindet er sich im freien Fall - ohne die Chance, jemals den Boden zu erreichen. Sag nicht, das wäre unlogisch. Es ist das Vorrecht des Schicksals unlogisch zu sein.
Halef hingegen, einer der »Heiden«, die Sethes seinerzeit zu bekämpfen pflegte, ist ein anderer tragischer Fall. Während eines Festgelages am Spieltisch der Götter gelangten seine PAPIERE zusammen mit einer leeren Tüte Erdnußflips auf dem Kehrrichthaufen. Seitdem ist Halef hier bei uns.«

Bis sie am Lagerplatz angelangt waren, hatte Themistathes Fran noch ein halbes Dutzend ähnlicher Geschichten erzählt. Alle liefen im Grunde genommen auf das gleiche hinaus: Ein jeder der Anwesenden war ein Abenteurer, der auf irgendeine Weise aus dem SPIEL DER GÖTTER ausgeschieden war. Verstört blickte Fran den Anastrinen an, und sein Traum von einem Goldland im fernen Westen schien auf einmal in Nichts zu zerstieben.
»Also sind wir doch ... tot?« fragte er. Betrübt schüttelte Themistathes den Kopf. »Wenn wir bloß tot wären! Im Paradies gäbe es Wein, Frauen, Lieder, Frauen, Festgelage, Frauen ... Und selbst die Hölle wäre noch abwechsungsreicher als diese öde Insel. Nein, wir sind nicht tot - wir sind vergessen. Was meinst du, wo all die unglücklichen Charaktere bleiben, wenn due Götter sie verlassen, ihre PAPIERE hinter den großen Wohnzimmerschrank im Himmel rutschen oder das Schicksal sich entschließt, das REGELWERK zu wechseln. Warum sind die Tavernen Shorms nicht voll von Helden, deren Götter ohne Nachsendeadresseverzogen sind und deren Gefährten sie deshalb so einfach zwischen dem 4. und 13. Bier mit der Zeche sitzen ließen? Sobald die Leinen, mit denen uns das Schicksal in der Welt vertäut hat, zerschnitten sind, treibt man unaufhaltsam ab - und landet schließlich hier.«
Betroffen blickte Fran in die Runde, und plötzlich war ihm so, als würde er jeden der vergessenen Helden schon seit Jahren kennen. Er schüttelte den Kopf. Nur eine verpatzte Würfelprobe oder eine Trennung von Göttern oder Gefährten, dazu ein weinerliches Schicksal, das einem einen würdigen abgang verweigerte - und schon war man im Nichts gestrandet. Allein der Gedanke an eine Handvoll Abenteurer, die für den Rest der Ewigkeit nichts als ihre Erinnerungen hatten, machte ihn schaudern. Schließlichwürden Abenteurer, die sich von ihren Heldentaten erzählen, bis zur Erfindung von Urlaubdias mit Leichtigkeit den 1. Platz auf der Hitliste der Langeweiler halten können.
Doch halt, war da nicht eben so etwas wie eine - Idee? Nein, mehr als das. War es nun der »Genius Loci« oder die noch immer nicht ganz begrabene Hoffnung auf ein Goldland fern im Westen, egal, mit einem Mal durchströmte Fran das Denken geradezu wie ein Schluck Grog nach eines langen Tages Ritt. Nur einmal, als er ein Hügelork-Pärchen bei der Froschjagd beobachtet hatte (natürlich hatten die beiden nicht ein einziges schlappes Amphibium erlegt), hatte der Corer ein ähnliches Gefühl intellektueller Überlegenheit verspürt.
»Also, wenn unser ankertau zur Wirklichkeit zerrissen ist, warum werfen wir dann keine neuen Leinen aus?«
Die Menge stutzte. Doch über das Gesicht von Themistathes huschte ein Lächeln. »Du meinst also, wenn sich die Welt schon nicht an uns erinnert, sollten wir uns an sie errinnern? Das Band wieder neu knüpfen, das zerschnitten wurde?«
»Warum nicht? Was haben wir zu verlieren? Kommt, laßt uns ein Lagerfeuer entfachen, ich glaube es wird langsam dunkel.«
Und tatsächlich, so war es. Und als die Männer die aufgeschichteten Holzscheite entzündeten, brach die erste richtige Nacht auf der Insel der Vergessenen Helden an. Langsam wich das indifferente Grau des wabernden Nichts einer ehrlichen, samtigen Dunkelheit. Doch das Lagerfeuer, das wie das Lagerfeuer aller Lagerfeuer war, spendete Licht und Wärme. Eine Weile starrten die Männer in die lodernden Flammen und formulierten in ihren Gedanken den Namen jenes Kontinents, der ihrer aller Heimat gewesen war. Oder - sein würde ... ? Es war Fran, des aussprach, was alle dachten. »Ihr müßt euch erinnern«, flüsterte er. »Erinnert euch an - Taltanis!«

TALTANIS. Der Name schmeckte nach salziger Meeresbrise und dunklen Buchenwäldern, nach brennend heißer Wüste und dampfenden Dschungeln, nach vor Öeben wimmelnden Metropolen und nach der Einsamkeit der Berge, nach Liebe, Freiheit, Abenteuer und - Heimat. Vor den Augen der in die Flammen Starrenden entstand das Bild eines Kontinents. Und wiel ihr Lagerfeuer wie das Lagerfeuer aller Lagerfeuer war, ergänzte sich das bruchstückhafte Wissen der Einzelnen zu einem einheitlichen Ganzen. Keiner der Männer hätte alleine sagen können, daß sich Taltanis über 7,9 Millionen km2 erstreckte, doch gemeinsam gewannen sie ein Gefühl für die Ausdehnung dieses Erdteils. Und wenn auch niemand von ihnen mit einer Bevölkerungszahl von 55 Millionen etwas anzufangen gewußt hätte, so bekamen die gestrandeten Abenteurer nun doch einen Eindruck von der Siedlungsdichte in den zivilisierten Regionen und von der menschenleeren Einsamkeit der Wildnis. Die Männer erfuhren von dem rauhen Klima entlang der Nordküste und der brütenden Hitze des Süden, die, je nach Richtung der vorherrschenden Winde, entweder tropische Regenwälder oder segende Wüsten erschuf. Und außerdem erkannten sie die naturgemäße Zweiteilung ihres Heimatkontinents, denn das taltanische Zentralmassiv sorgte im Verein mit den endlosen Steppen der Burgash-Köl im Norden und den undurchdringlichen Dschungeln von Bogandanga-Lopori dafür, daß zwischen dem Osten und Norden von Taltanis und dem fernen Südwesten kaum kulturelle oder wirtschaftliche Verbindungen bestanden. Die Kulturen des Ostens gruppieren sich um die sich zwischen Taltanis und Shorm erstreckende anastrinische Bucht wie Frösche um einen Teich. Und die mit Abstand größten dieser »Frösche« (größer noch als das Königreich der Insel Shorm) waren das anastrinische Reich und das Kalifat von Amarya. Und vielleicht war es das Selbstbewußtsein des Soldaten eines Imperiums, das seit 15 Jahrhunderten die Geschichte des Osten lenkte, das dazu führte, das der Miles Themistathes zuerst damit begann, die Erinnerungen an seine Heimat in Worte zu fassen.

Die Erzählung des anastrinischen Soldaten begann in der fernen Vergangenheit. Themistathes erzählte von der Reichsgründung durch Kaiser Anastrian I., von den siegreichen Legionen des Imperiums, die den gesamten Nordosten von Taltanis unter einer Fahne vereinten, und von der Vertreibung der Orks auf jene unfruchtbare Landzunge, die seit dieser Zeit nurmehr Giarkha-Zsarûn, der Ork-Schwanz, genannt wurde. Selbst die Annektion Botiovas, eines waldreichen und gebirgigen Landes, dessen zumeist tief religiöse Bevölkerung selbst heute noch zuweilen von Werwölfen und Vampiren heimgesucht wurde, blieb nicht unerwähnt. Aber Themistathes erzählte auch vom langsamen Niedergang des Anastrinischen Reiches, von der dekadenten Prasserei des Adels, den orgiastischen Gelagen der Neureichen und von blutigen Arenaspielen für die Massen. Und das waren noch die eher harmlosen Abnormalitäten. Die alten Götter waren schon längst durch unzählige Modereligionen ersetzt worden, es gab Tempelprostitution, und man munkelte von geheimen Menschenopfern. Und die Politik des Reiches mit all ihren Intrigen und schmutzigen Tricks wurde nicht mehr vom Thronsaal des erst 17jährigen und zumindest zur Hälfte wahnsinnigen Kaisers Lysterian aus bestimmt, sondern vielmehr aus dem Bett seiner Mätresse.
Zum Ende seines Vortrages hin war Themitathes Stimme immer leiser geworden, wohl aus Trauer, wie Fran vermutet hatte. Doch dann blickte er auf und bemerkte, daß er anastrinische Legionär einfach verschwunden war. Und noch eh er sich darüber wundern konnte, hatte bereits der fette epeiräische Straßenhändler das Wort ergriffen.

Für den dicken Krämer aus Epeiron war ganz Taltanis ein einziger großer Marktplatz. Pfeffer und Curry aus dem fernen Nurphar? Bitte schön, kein Problem. Schwarze Sklaven aus Bongandanga-Lopori? Tut mir leid, zur Zeit ein sehr gefragter Artikel; aber gegen einen gewissen Aufpreis ließe sich natürlich ... Leben war Handel. Und die epeirähische Metropole Empopolis saß in diesem komplexen taltanischen Netz aus Angebot und Nachfrage wie eine fette Spinne. Der Grund dafür war ihre ideale georaphische Lage am einzigen Landweg zwischen dem Kalifat von Amarya und dem Anastrinischen Reich, ein Umstand, über den dieEpeiräer mehr Freude empfanden als über die architektonische Schönheit ihres Stadtstaates oder ihre »demokratische Verfassung«. Solange es die orkischen Freibeuter von Giarkha-Zsarûn und die Yandis-Korsaren gab, die den Seehandel in der Anastrinischen Bucht zu einem kaum kalkulierbaren Risiko machten, würden die großen Karawanen weiter durch Empopolis ziehen. Und solange es epeiräische Hehler und Waffenhändler gab, solange würde es auch weiterhin Piraten geben. Das war eine einfache geschäftliche Kalkulation - wie alles in Epeiron. Selbst das Wahlrecht hing von materiellen Vorbedingungen ab. Nur wer über ein Minimum an Wohlstand verfügte, durfte an den Wahlen zum gesetzgebenden Rat teilnehmen; und wer wirklich reich war, konnte zu einem der neun Arkostoi werden, die die Geschicke Epeirons letztendlich lenkten.
Mit einem Mal schien der epeiräische Kaufmann jenseits des vom Feuer erhellten Bereichs etwas zu erspähen, das ihn entfernt an einen Kunden erinnerte. Mit einem lüsternen Funkeln in den Augen und ohne seinen letzten Satz zu beenden, raffte er seine Habe zusammen und machte sich davon in die Dunkelheit. Es war Halef, der an seiner statt fortfuhr. Aber der junge, in den Burnus eines Wüstennomaden gehüllte Krieger aus Kor-al-Amaya erzählte nicht länger von Geschäft und Gewinn. Er erzählte von Gott.

Doch nicht von den obligatorischen Schutzpratonen eines jeden Abenteureres, nein, Halef erzählte von dem einzig wahren Gott Ab-Tarik, der sich den Menschen vor nunmehr acht Jahrhunderten offenbart hatte, als ganz normale Leute plötzlich begannen, »in Zungen zu reden« und religiöse Prophezeihungen von sich zu geben. Weiter erzählte er von den Priestern, die all diese Visionen gewissenhaft aufzeichneten und noch immer in den labyrinthischenn Bibliotheken der heiligen Stadt Cha laîn verwahrten. Aber Halef berichtete auch von den gewöhnlichen Menschen, von den Niszijn des fruchtbaren Shek-es-Amaya, in deren prachtvollen Städten Kunst, Wissenschaft und Zauberei eine neue Blüte erlebten, und von den Bucharîk der Khor, die die Falken der Wüste genannt wurden, in ihren Oasen ein kärgliches Dasein von der Kamelzucht fristeten und die städtische Annehmlichkeiten als Verweichlichung verachteten. Der Kalif von Amarya, weltliches und geistliches Oberhaupt der aller Rechtsgläubigen, hatte wahrhaft keine leichte aufgabe, diese gegensätzlichen Bevölkerungsgruppen davon abzuhalten, einander zu bekämpfen. Vielleicht hatte das Auftauchen eines gemeinsamen Feindes, der Ordensritter des ommeischen Drachenkultes, Ungläubige in Halefs Augen, da auch ihr Gutes ...
Natürlich protestierte Erzkriegerpriester Sethes vehement dagegen, als »Ungläubiger« bezeichnet zu werden. Und während Halef in seinem sich plötzlich erhebenden heißen Wind, der direkt aus dem Herzen der Wüste zu wehen schein, langsam und flirrend wie eine Fata Morgana verschwand, nahm der Drachenkämpfer aus den Befestigten Landen den Faden der Erzählung auf.

Die ursprünglich von der Insel Shorm stammende Ordensritter waren keine Ungläubigen - ganz im Gegenteil. Doch ihr Gott war keine anthropomorphe Verkörperung irgendeiner menschlichen Leidenschaft, er war gewaltig und gepanzert. Rauch schlug aus seinen Nüstern. Stärke wohnte in seiner Brust, und in ihm war grenzenlose Kraft: Geboren, um sich nie zu fürchten! Es war die Gestalt eines großen Drachen, die von Sethes und seinen Mitbrüdern verehrt wurde. Seit Jahrtausenden hatte es keine Inkarnation eines derartigen Wesens mehr gegeben. Doch nun war die Ankunft eines neuen Großen geweissagt. Aber der vorherbestimmte Geburtsort dieses Gottes lag nicht auf Shorm, er lag in Taltanis, genauer gesagt, in einem von Heiden bevölkerten Landstrich. War das eine Prüfung der Gläubigen? Zumindest die Drachenkämpfer verstanden das so. Deshalb strömten seit 50 Jahren Shormer Ordensritter nach Taltanis und eroberten dort unter hohen Verlusten einen felszerklüfteten Brückenkopf, den sie die Befestigten Lande nannten. Natürlich lockte die Hoffnung auf reiche Beute im Kampf gegen die »Heiden« auch eine Menge Lumpenpack an. Doch hoch droben, in ihren unzugänglichen Felsburgen, auf dem Rücken einer Flugechse, mit gesegneten Schwertern gegürtet und den Westwind zwischen den Zähnen, waren die Drachenkämpfer noch immer fast unter sich. Ihnen galt das spirituelle Ziel weit mehr als jeder weltliche Lohn. Und selbst dem möglichen Tod in der Schlacht sahen sie mit ruhiger Erwartung entgegen, getreu ihrem Eid: Geboren, um sich nie zu fürchten.
Fran hatte noch nie einen Mann einfach so durch den Erdboden fallen sehen. Doch schließlich gibt es für alles ein erstes Mal.
Eine ganze Zeit lang herrschte Schweigen in den jetzt schon gelichteten Reihen der vergessenen Helden. Als dann endlich wieder einer der Männer das Wort ergriff, fiel es den anderen schwer, den Sprecher genau auszumachen, denn dessen nachtschwarze nackte Haut verschmolz mit der vom Feuerschein noch vertieften Dunkelheit, so daß zunächst nur das schimmernde Weiß seiner Augen und Zähne erkennbar war.

Der dunkelhäutige Jäger aus Bongandanga-Lopori begann damit, seinen Zuhörern den Begriff »Urwald« zu erklären. Die Männer erkannten, daß sie zuvor bestenfalls eine schwache Ahnung von dem gehabt hatten, was dieses Wort bedeutete. Jetzt aber hörten sie das Kreischen der Affen, rochen den Duft exotischer Blüten und erfuhren, daß Grün eine Milliarde an Schattierungen besaß. Und erst, als die Gestrandeten diese Lektion gelernt hatten, konnte ihnen der Jäger von Bongandanga-Lopori erzählen. Denn dies war kein gewöhnlicher Urwald. In einer Höhe von 45m bildeten die ineinander verwobenen Äste der Baumkronen ein derartig dichtes Geflecht, daß eine Art durchgängiger Ebene daraus entstanden war. Auf diesem Untergrund aus lebendigem Grün, stets nur einen tödlichen Sturz vom Erdboden entfernt, lebten die Eingeborenen nahe dem Sonnenlicht und dem offenen Himmel. Hier lagen die Dörfer der friedlichen Obongo und der kriegerischen Tarwussi, die Kraale der angeblich kannibalistischen Okawonga und, irgendwo versteckt, befand sich sicher auch der geheime Tempel der gefürchteten Leopardenmänner.
Doch nicht nur die Baumkronen waren bewohnt. auch der Boden des Dschungels war voller Leben - einem widerlichen, faulenden und unheiligen Leben. Diese Unterwelt war das Reich von Nenga-Uboke, dem kinderfressenden obongischen Totengott, von dem selbst due Medizinmänner nur mit Schaudern sprachen. Und Nenga-Uboke gelüstete es nach mehr als nur der Herrschaft über seine düsteres Reich. Seine ekelerregenden Horden der bleichen, haarlosen Ngoru waren auch für die Welt der Baumwipfel eine stete Bedrohung.
Obwohl der Jäger sicher kein furchtsamer Mann war, senkte er bei seinen letzten Worten doch die Stimme, um keine bösen Geister anzulocken. Und dann verschmolz seine schwarze Gestalt so vollkommen mit der nächtlichen Dunkelheit, daß er schließlich ganz verschwunden war. Die Haut des Mannes, der nach ihm sprach, war weitaus heller, und sein kleiner, sehniger Körper steckte in einer fremdartigen Zeremonienrobe. er hätte so etwas wie ein Priester oder ein Zauberer sein können, und tatsächlich war er ein weing von beidem - er war ein Astrologe.

Das Land Ni-Pora, das sich zu Füßen des mächtigen taltanischen Zentralmassiv kauerte, war nicht besonders groß. Eigentlich bestand es aus nicht viel mehr als fünf meist miteinander verfeindeten Stadtstaaten im Schwemmland dr beiden Flüsse Tigammi und Kishniadad. Die Macht in deisen ummauerten Städten hatten jedoch weniger die örtlichen Könige inne als vielmehr die Priester. Trotzdem war Ni-Pora streng genommen keine reine Theokratie. Denn in diesem Land herrschte der Glaube an das Schicksal, dessen Verlauf von den Aktionen der Götter abhängig war, die in Form von Sternenbildern das Firmament bevölkerten. Aufgabe der Priester war es deshalb, aus dem Wurf von Würfeln, dem Befragen von Orakeln und vor allem aus der Beobachtung der Gestirne die Zukunft vorherzusagen. Nirgendwo in Taltanis war die Neugier der Menschen auf ihre Zukunft größer und der Hunger nach Horoskopen brennender. Kaufleute tätigten keine Geschäfte, Liebende küßten einander nicht, und Männer lagen nicht bei ihren Frauen, wenn die Sterne nicht günstig standen. Es war die Suche nach den Gründen des Schicksals, die Ni-Pora zusammenhielt - und die den Priestern, die aif ihren Tempelbergen beständig die Bahn der Gestirne berechneten, ihre Macht sicherte.
Unglücklicherweise vermochte Fran all diesen gelehrten Ausführungen über Umlaufgeschwindigkeiten, ekliptische Bahnen und Aszendenten nicht ganz zu folgen, und so mußte er wohl kurz eingenickt sein. Als er wieder erwachte, war der ni-porische Astrologe von einem gelbhäutigen Mönch abgelöst worden.

Fran blickte in zwei Augen, die so alt schienen wie die Welt selbst. Während der Blick dieser unglaublichen Augen bis in sein Innerstes zu dringen schien, erfuhr Fran vom Leben nahe den Säulen des Himmels hoch oben im taltanischen Zentralmassiv. Es war ein karges, ärmliches Leben in den kurzen Sommermonaten, die dem Hirseanbau und der Zucht der Bergochsen galten. Und in den langen, kalten Wintern, in denen nur der Schein der Butterlampen ein wenig Licht, das Verbrennen getrockneten Tierdungs ein wenig Wärme in die kleinen Rundhütten brachte, war es fast unerträglich. Und doch waren die Lomben ein glückliches Volk. Denn im Heiligen Lombok war auch der Glaube lebendig. Es war kein militanter Glaube wie jener der Drachenkämpfer in den Befestigten Landen, es war kein Fanatismus, wie man ihn bei einigen amaryanischen Splittergruppen finden könnte, und auch die wissenschaftliche Rationalität der Priester-Astrologen Ni-Poras war etwas vollkommen anderes. Hier in Lombok war der Glaube das Lebensziel, eine allumfassende Leidenschaft, unendlich wie die Zahl der Götter, von denen es Millionen gab, einen für jeden Tag, für jede Wegkreuzung, jeden Wasserlauf. Die Verantwortung für dieses gläubigen Menschen lag in den Händen der Priester, doch ihre Macht war nicht die von Herrschern, und der Reichtum ihrer Klöster diente nicht ihrem persönlichen Wohl. Gemeinsam mit ihren Schützlingen suchten sie nach dem Weg durch die nahezu unberenzte Kette der Wiedergeburten ins glückselige Nichts. Und über allem wachte der Gottkönig der Sanpotsche, ein Wesen, das seit Anbeginn der Zeit immer wieder geboren wurde - und das sich all seine vorherigen Inkarnationen erinnern konnte.
Vor Frans innerem Auge erschienen drehende Gebetsmühlen und mit frommen Versen bestickte bunte Fähnchen, die im Winde flatterten. So bemerkte er kaum, wie der Erzeuger dieser Visionen dem glückseligen Nichts ein Stück näher rückte.
Nun saßen neben dem jungen Corer nurmehr drei Männer am Feuer. Einer davon war der Urgasch Balu-bei, der den Sattel noch immer nicht verlassen hatte. Doch es war ein hochgewachsender, aristrokatisch wirkender Krieger mit dunklem Teint und einem flammenden roten Mal auf der Stirn, der jetzt am Feuer zu sprechen begann.

Das Land Naphur war eine noch junge Nation. Noch vor 40 Jahren existierten in den dicht bevölkerten Regionen zwischen den großen Bergen und dem Dschungel von Meeduu mehrere Kleinstaaten, die von über einem halben Dutzend Maharadschas regiert wurden. Doch unter König Dharmasanga und dessen Sohn Chudrosanga war es den Truppen des Königreiches Kadhu schließlich gelungen, die Macht der Sanga-Dynastie fast über ganz Nuphar auszubreiten und die eroberten Gebiete zu einem einheitlichen Reich zu formen - mehr oder weniger.
Im Grunde genommen war Nuphar ein reiches Land. Da gab es Olifanten, die zu Lebzeiten billige Arbeitskraft und nach ihrem Ableben begehrtes Elfenbein lieferten, in den fruchtbaren Flußtälern erlaubte das Klima den Anbau kostbarer Gewürze, und die Urwälder stellten eine nie versiegende Quelle von Edelhölzern dar. Aber Nuphar war auch ein Land extremer Gegensätze. Das existierende Kastensystem führte zu einem unwidersrochenen Nebeneinander von märchenhaftem Reichtum und bitterster Armut. Und der Aufstieg in eine höhere Kaste? Nun, vielleicht im nächsten Leben.
Mit der Schilderung der Religion von Nuphar konnte Fran nur wenig anfangen. Außerdem hatte er für einen Tag schon genug über Götter gehört. Aber er wurde hellhörig, als die Rede auf Tiger kam. Es war eine Geschichte von den schönsten und wildesten Tieren der Welt, deren Reich sich über den Süden Nuphars bis in die von Kopfjägern bevölkerten Dschungel von Meeduu erstreckte. Erst als die Erzählung beendet war, bemerkte Fran, daß nun nicht mehr der Krieger des Großkönigs Chudrasanga sprach, sondern ein gelbhäutiger Mann aus jenem großen Reich Cholon, das der junge Corer bislang stets für eine Erfindung der Märchenerzähler gehalten hatte.

Das Kaiserreich von Cholon war mächtig, alt und zivilisiert. Ein Heer staatlich geprüfter Beamter und Richter verwaltete die Dutzende von Provinzen im Auftrag der jeweiligen Mandarine, und ein gut funktionierendes Botennetz verband selbst das kleinste Reisbauerndorf mit der Hauptstadt Kwangshih. Doch Cholon war auch ein introvertiertes Land. Ausländische »Barbaren« waren hier nicht gerne gesehen - selbst wenn sie nur kamen, um Seide zu kaufen. Und seit eineinhalb Jahrhunderten war Cholon ein Drache ohne Kopf. Immer weiter hatten sich die Söhne des Himmels während dieser Zeit im kaiserlichen Porzellanpalast, umgeben von tausenden von Konkubienen und zehntausenden von Hofschranzen, von der Wirklichkeit des Reiches entfernt. Die wahre Macht lag seitdem in den Händen der Palasteunuchen, und der gegenwärtige Obereunuch Li Cheng war ein ebenso intelligenter wie skrupelloser - Mann. Als ein Mensch, an dessen Schrein später niemals Kinder ihres ehrenwerten Ahnen würden gedenken können, suchte er einen eigenen, blutigen Weg zur Unsterblichkeit. Währenddessen bewundert der greise Kaiser Ch he Chen die Kirschblüte.
Der Cholonesse vom Volk der Sung aus der ehrbaren Familie Chan in der Provinz Hantui verschwand unter dem dröhnenden Klang eines Messinggongs, und zurück blieb nur das Blatt einer Lotusblume. Nun waren Fran und Balu-bei ganz allein. Der junge Corer blickte auf den berittenen Urgasch und dann auf dessen gehörntes Pferd. Und während er noch herauszufinden suchte, ob die Reittiere der Nomaden von der Burgash-Köl tatsächlich Mandelaugen besäßen, begann Balu-bei mit der vorletzten der Geschichten.

Der Urgasch erzählte Fran von der Steppe. Die Burgash-Köl war ein weites, trocken-kaltes Grasland, über das im Frühjahr und Herbst die Sturmgötter tobten, die Heimat von Millionen von Vögeln und - die Heimat der Urgasch. Balu-beis Leute waren berittene Nomaden, wild, sogar barbarisch, wenn man die Normen Cholons oder des Anastrinischen Reiches anlegte. Aber sie waren auch frei. Frei, den Herden der von ihnen gehegten gewaltigen, hausgroßen Wonte zu folgen, sich untereinander zu bekriegen und gelegentliche Überfälle auf ihre zivilisierteren Nachbarn zu unternehmen. Balu-beierzählte von den Festen zu Ehren des Khans und seiner Familie, von den zwielichtigen wandernden Schmieden, die zu keinem Stamm gehörten und dunkle Zauberei betrieben, und von den grausamen Knochenvögeln, die seinem Erstgeborenen bei dessen Mannbarkeitsprobe ein auge ausgehackt hatten. Und immer wieder erzählte Balu-bei auch von Pferden, von ihrer Treue, der Freude des Reitens und vom Schmerz eines Kriegers, wenn er in die Augen eines sterbenden Reittieres blicken mußte.
Mit einem Mal war die Luft auf der Insel der Vergessenen Helden von dem Geräusch stampfender Hufe erfüllt, ein Schnauben und Wiehern raubte Fran fast den Verstand, und als er seiner Verwirrung Herr geworden war, war Balu-bei bereits verschwunden. Doch merkwürdigerweise war sein Pferd noch da.
»Er hat vergessen, dir von den Gu zu erzählen« brüllte ihm das Tier durch den Lärm zu, den seine unsichtbaren Artgenossen noch immer veranstalteten. »Sie leben wie wir auf der Steppe, und sie sehen aus wie primitive Jäger und Sammler. Sie besitzen nur Werkzeuge aus Stein - aber sie sind wirklich. Weißt du, sie sind wirklicher als du und ich. Oder Taltanis. Oder die Götter der Abenteurer. Und sie sind wirklicher als das mächtige Schicksal. Ich bin nur ein einfaches Pferd, und deshalb ist es für mich nicht so leicht, dir das alles zu erklären. Aber eigentlich ist nichts wirklich außer dieser Insel, den Träumen der Gu und den Geschichten, die abends am Lagerfeuer erzählt werden. Und irgendwie ist das ja alles ein und dasselbe, nicht wahr? Ich dachte nur, du solltest das wissen.«

Mit diesen Worten ließ das geheimnisvolle Pferd Fran allein. Der Corer starrte noch lange Zeit in die Flammen, bis er entschied, daß er nicht begriff, was das Tier ihm hatte sagen wollen. Was er hingegen begriff, war, daß er nun die letzte Geschichte würde erzählen müssen. Und daß er sich dabei ziemlich lächerlich vorkommen würde.

Da hörte er mit einem Mal ein Rascheln und sah eine junge Frau aus dem Schatten ans Feuer treten. Sie war von wundersamer Schönheit, und sie schien nicht mehr als einen Hauch von Goldstaub auf ihrer hellen Haut zu tragen. Fran verschlang sie fast mit seinen Blicken, das Blut begann in ihm zu wallen, doch wie so oft in der Gegenwart schöner Frauen bekam er kein sinnvolles Wort heraus. Er wollte sie fragen, ob sie aus jenem geheimnisvollen Goldland im Westen stammte, das immer unter einem Schleier undurchdringlichen Nebels verborgen lag, ob sie schon länger auf dieser Insel war und sich vor den anderen Gestrandeten nur versteckt hatte und ob sie Lust hätte, am nächsten Samstag mit ihm Essen zu gehen. Stattdessen hörte er sich von corischen Fischerbooten und der Jagd auf Seeschlangen erzählen und davon, wie die anastrinische Legionen einen Teil seines Heimatlandes unterworfen hatten. Langsam begann sich die Insel um Fran herum aufzulösen, das Bild der mysteriösen Fremden verblaßte, und dann spürte er nur noch das kühle Wasser des Meeres der Träume.

Fran paddelte im Wasser, um sich herum die Trümmer eines zerstörten Segelschiffes. Seine Gefährten schienen nasse Füße bekommen und sich abgesetzt zu haben. Fran hielt das für unverständlichen Kleinmut. Schließlich suchten sie das Goldland fern im Westen, und auf der Karte ihres mittlerweile wohl ertrunkenen Kapitäns war ihr Ziel lediglich noch lächerliche drei Fingerbreit entfernt gewesen. So kurz vor dem Ende der Reise gab ein Held doch nicht auf; zumindest kein corischer Held. Und nach einem verächtlichen Seitenblick auf die nahe, ihm vergeblich mit dem Überleben lockende taltanische Küste zu seiner Linken schwamm Fran entschlossen und mit kraftvollen Zügen in den Sonnenuntergang.

Steffen Schütte
Taltanis-Konzept: Rainer Gladys,
Klaus Schulz & Steffen Schütte


Dieser Artikel wurde ursprünglich in der ZauberZeit Nr. 24 von August 1990 veröffentlich.